PVC Boden

PVC Boden ist leicht zu Transportieren.Der Polyvinylchlorid-Boden, kurz: PVC Boden, ist ein pflegeleichter Bodenbelag, der sowohl in Fliesenform, als auch in Auslegware auf den Boden aufgebracht werden kann. Der PVC Bodenbelag überzeugt vor allem durch seine besondere Belastbarkeit, seine hygienischen Eigenschaften und seine Temperatur-, Licht- und Wetterbeständigkeit. Im Gegensatz zum Teppichboden bietet er eine geschlossene wischfeste Oberfläche, die Flüssigkeiten und Schmutz leicht entfernen lässt. PVC-Boden eignet sich daher im Innenbereich besonders für Bad, Büro, Diele und Küche. Ein weiteres Plus ist dabei seine Flexibilität und sein gesundes Preis-Leistungsverhältnis. PVC-Böden blicken (nicht nur) in Deutschlands Haushalten mittlerweile auf eine traditionsreiche Geschichte zurück.



Die Geschichte des PVC

Die Erfindung des PVC ist eine Deutsch-Französiche Co-Produktion, so könnte man sagen. Der Weg bis hin zu einem anwendbaren Produkt für den Endverbraucher ist zu Beginn der PVC Geschichte noch ein langer.

Bereits im Jahr 1835 war es der französische Chemiker Henri Victor Regnault, der im Giessener Laboratorium von Justus von Liebig die Entdeckung machte, dass Vinylchlorid zu Polyvinylchlorid wird, wenn man es zu lange in der Sonne stehen lässt. Diese bei der Herstellung von Vinylchlorid eher zufällig gemachte Entdeckung eines durch Sonnenlicht entstehenden weißlichen Pulvers verschwand allerdings fast 80 Jahre in den Schubladen der Wissenschaft und wurde noch lange nicht für Auslegware oder Bodenbeläge verwendet. Erst im 20. Jahrhundert griff der deutsche Chemiker Fritz Klatte die Forschungsergebnisse von Monsieur Regnault wieder auf. Er sah das Potential des Stoffes und wiederholte die Experimente in mehreren Versuchen, bei denen er unterschiedliche Katalysatoren zum Einsatz brachte. Klattes Forschungen führten 1912 zur künstlich herbeigeführten Synthese von Vinylchlorid aus Acetylen und Chlorwasserstoff, welche er ein Jahr später zum Patent anmeldete.

Sein Ziel war es zunächst einen erzeugbaren Rohstoff zu kreieren, der für Lacke, Kunstfäden, Filme und auch als Hornersatz dient. Durch den Ersten Weltkrieg kam die Forschung auf dem Gebiet der Vinylchloride zunächst ins Stocken. Allerdings erkannte man durch den Krieg, wie nötig es ist in bestimmten Bereichen eine Unabhängigkeit von importierten Rohstoffen zu erlangen. So wurden die Anstrengungen verstärkt kostengünstigere Stoffe zu entwickeln, die die teuren Importgüter ablösen konnten. Der PVC als Rohstoffersatz gelangte jedoch erst Ende der 1920er Jahre weiter voran.

1930 und 1935 sind es vor allem die Industriegiganten BASF und die IG Farben, die nach erfolgreicher großtechnischer Auswertung des Polyvinylchlorids in den USA die PVC-Produktion aufnehmen.

1935 gelingt dem PVC dann der Weg in das Endverbrauchertum. In Bitterfeld entdeckt man die Plastifizierung von PVC, der durch Zugabe von Zusätzen, bei Temperaturen von 160 Grad nicht zerfällt. Der harte PVC ist Grundlage für Rohre, Fensterprofile und Pharmazie-Folien.

Zehn Jahre später ist PVC der am häufigsten produzierte Kunststoff der Welt. Immer neue Anwendungsmöglichkeiten werden hierbei entdeckt. So löst PVC 1948 z.B. in der Plattenindustrie die bis dahin verwendete Schellack-Platte ab.

Heute wird PVC in PVC-weich (PVC-P /P=plasticized) und PVC-hart (PVC-U /U=unplasticized) unterteilt. PVC-weich kann bis zu 40% Weichmacher enthalten; PVC-hart enthält generell keine Weichmacher. PVC-P spielt eine große Rolle in Kabelanwendungen, Schuhsohlen, Schläuchen, Dachabdichtungen und Fußbodenbelägen.

Die Herstellung von PVC

Polyvinylchlorid ist ein thermoplastisches Polymer, das in der Regel im Temperaturbereich zwischen 160 und 200 Grad Celsius verarbeitet wird. Das an sich spröde und harte Material wird mit Zusätzen, vor allem Stabilisatoren, Weichmachern und Schlagzäh-Modifier an die verschiedensten Einsatzgebiete angepasst. Diese Additive verbessern die physikalischen Eigenschaften des PVC und erhöhen, je nach Mischung, seine Zähigkeit und Elastizität, die Temperatur-, Licht- und Wetterbeständigkeit, die Kerbschlagzähigkeit, den Glanz und auch die Verarbeitbarkeit. Bei der Auswahl der verwendeten PVC-Zusätze kommt es vor allem darauf an, mit möglichst geringer Konzentration eine möglichst hohe Wirkung zu erzielen, die in den unterschiedlichsten Herstellungsprozessen der Kunststoffformteile unbeeinträchtigt bleiben muss.

Auch müssen sie den hohen Qualitätserwartungen entsprechen und sowohl eine gute Verarbeitbarkeit garantieren als auch z.B. dem PVC Boden während dessen Gebrauchsdauer die benötigten Eigenschaften verleihen.


PVC Bodenbeläge

Die Gründe dafür, dass PVC Bodenbeläge seit mehr als 60 Jahren produziert werden, liegen aber nicht nur in leichter Verarbeitbarkeit oder hoher Strapazierfähigkeit des PVC Bodenbelags, sondern auch in seiner optischen Vielfältigkeit, Farben und Designs, die den unterschiedlichsten Nutzungszwecken eines Raumes oder Gebäudes angepasst werden können. Kommt es im Gesundheitswesen in erster Linie auf die Einhaltung hoher Hygienestandards sowie die reibungslose technische Interoperabilität eines PVC Bodens an, spielen in Büro- und Präsentationsarealen eher freundliche und einladende Designs eine Rolle. Egal ob Marmor, Eichenholzdielen oder Ahorn-Parkett, es gibt nahezu nichts mehr, was aktuelle PVC-Bodenbeläge nicht imitieren können. Dank moderner Druck- und Prägetechnik reichen die Oberflächenoptiken der Trägerschicht eines PVC Belags von Edelholz- und Steinnachahmung über Sand- und Wiesenimitat bis hin zum wieder angesagten schwarz-weiß Schachbrettlook.

Mitlerweile auch für den privaten Haushalt erschwinglich, sind die so genannten LVT-Fliesen, die “Luxury Vinyl Tiles”. Früher lagen diese Böden vor allem in Restaurants, Schwimmbädern und Arztpraxen. Das Aussehen von einem Stein- oder Holzboden wird mittels fototechnischer Reproduktion auf die Trägerschicht transportiert und mit einer durchscheinenden Nutzschicht überzogen. Sieht echt aus, ist aber echt Kunststoff und somit auch deutlich günstiger als ein echter Marmorboden – und auch deutlich einfacher zu verlegen.